Archiv für August 2016

Call for Support {Subotica}

Liebe Leute,

wir suchen seit 10 Tagen nach einer Bleibe in der Gegend von Subotica and der serbisch/ungarischen Grenze.
Da wir uns in einer Kleinstadt befinden, stellt sich die Suche nach einer Wohnung oder einem Haus als Herausforderung dar. Aufgrund unvorhersehbarer Ereignisse und eines Autounfalls sind unsere ohnehin geringen finanziellen Moeglichkeiten beschraenkt und auch unsere Suche nicht erfolgreicher geworden. Da Subotica zwischen den Transitzonen Horgos, ungefaehr 25 km, und Kelebija, ungefaehr 12 km entfernt, liegt, sind Transportmoeglichkeiten zwangslaeufig notwendig fuer die Arbeit vor Ort. Die Situation in Horgos und Kelebija bleiben problematisch, da zwar die offiziellen Listen fuer einen legalen Grenzuebertritt nach Ungarn geschlossen wurden, sich jedoch immer noch hunderte Leute in den einzelnen Camps aufhalten, sich immer mehr Menschen in Belgrad sammeln und sich auch die Lager an der kroatischen und an der bosnischen Grenzen. Sich zwischen diesen Orten bewegen zu koennen, gibt uns die Moeglichkeit uns mit den Menschen ueber die Route und potenzielle Gefahren auszutauschen, direkte Hilfe anzubieten, Berichte ueber Polizeikontakt und Repressionen zu schreiben und Netzwerke aufzubauen die sich flexibel an die Veraenderungen anpassen koennen.

Zur Zeit haben wir einen grossen Bus, der aber nur bedingt viel bewegt werden kann, bis die Kaderwelle getauscht wurde und einen Hochdachkombi, der jedoch dieses Wochenende fuer zwei Wochen abgezogen wird. Wir brauchen nicht viele Menschen hier, einige bleiben auch laengerfristig vor Ort.

Was wir also brauchen sind Transportmoeglichkeiten, wie ein Bus, Van oder Auto, Menschen mit FuehrerInnenschein, Leute die langfristig hier bleiben wollen, also 3 Wochen oder laenger, und das gute alte Geld. Um weiterhin hier arbeiten zu koennen wuerden wir uns ueber jede Hilfe hier freuen!

In love and solidarity

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Dear Friends,
We continue in our search for a space in the Subotica area on the Serbian/Hungarian border.
The town is small which provides many challenges in securing a house to function as a base of operations. Additionally, some recent troubles have slowed our efforts and put a strain on our minimal funds. Subotica is located 25 km from Horgoš and 12 km from Kelebija. Independent transportation is essential to the struggle here in Northern Serbia.

Currently, we have a large van that has limited mobility and a smaller transport van that will leave us this weekend. We are few (which is not necessarily a problem), and even fewer can remain here long-term. Meanwhile, the situations in Horgoš and Kelebija remain tense, the lists to legally pass to Hungary are stopped, with hundreds in each camp here, a growing population in Belgrade and in camps on the Croatian and Bosnian borders. Moving between these locations allows us to continue to hear stories of repression, give advice about potential dangers in the route, provide direct aid and remain networked to an ever-changing migration.

We need transportation in form of a van or a car with one or two drivers, folks who are willing to remain here long-term(a few weeks or more) and money. To continue here in Subotica, all are necessary, all help is appreciated!

Love and Solidarity

Bericht aus Subotica, serbisch-ungarische Grenze

In den letzten vier Tagen haben wir, eine Gruppe unabhängiger internationaler AktivistInnen, den Hungerstreik in Horgos begleitet. Andere Schwerpunkte waren der Aufbau einer gemeinsamen Basis für langfristige Arbeit vor Ort, sowie der Aufbau von Kontakten zu lokalen Strukturen.

Die Situation der Streikenden war selbstgewählt und sehr prekär. Sie lagerten außerhalb des eigentlichen Camps in Horgos, ein unoffizielles Camp im Norden Serbiens. Das Feld auf dem sie sich niedergelassen hatten, bot keinen Schutz vor Sonne und befindet sich in einer Region in der sehr viele Mücken besonders die Abendstunden fast unerträglich machen.
Als wir ankamen, nahmen wir Kontakt zu dem Anführer der Streikenden auf und trafen uns mehrmals mit ihm um zu erfahren ob es bestimmte Forderungen oder Stellungnahmen der Streikenden gab. Nach drei Treffen war klar, dass es den Streikenden zum Teil um eine grundsätzliche Systemkritik ging, aber auch um eine einfache Forderung: die Öffnung der Grenzen Ungarns für diejenigen, die teilweise monatelang dort ausharren um ihren Weg in den Norden Europas fortsetzen zu können.

Vorgestern haben wir uns wieder auf den Weg gemacht, um zu erfahren ob es die Entscheidung gegeben hat, eine Erklärung zu veröffentlichen. Auf dem Weg von der Tankstelle, an der wir meist das Auto abstellen, zum Camp stolperten wir in eine große Polizeipräsenz. Wir erfuhren, dass alle Streikenden zusammengetrieben wurden und von Kommisariat und Polizei abtransportiert und dazu ueberredet wurden an die bosnische Grenze zu gehen.

Drei der Streikenden machen sich wohl auf dem Weg zum FACK-Festival in Novi Sad, Serbien, um ueber ihre Situation und Erfahrungen zu berichten.
Dieser Umgang der serbischen Behoerden mit denjenigen Fluechtenden die unbequem werden, passt sehr gut zur generellen Zunahme der Repression hier in der Region. Parks in Belgrad werden mit dem Argument der Saeuberung geraeumt, Streikende in abgelegene Camps weit weg von der Grenze verlegt, die Listen, auf denen sich diejenigen die die Grenze legal ueberqueren wollen, eintragen muessen, wurden in den letzten Tagen geschlossen, sodass nur noch die nach Ungarn einreisen koennen, deren Namen schon auf der Liste stehen.

Heute, am 01. August, wurden wir von Volunteers vor Ort die mit einer NGO zusammen arbeiten gewarnt, dass sie und ihre Autos von Menschen aus der lokalen Bevoelkerung fotografiert und auf Facebook veroeffentlicht wurden. Waehrend sie Essen in einem nahe dem Camp gelegenen Dorf verteilten, wurden sie aggressiv angesprochen und abfotografiert. Sie fuerchten physische Uebergriffe. Ausserdem wurden sie bei der Verteilung von Essen im Busbahnhof vom serbischen Komissariat schon erwartet. Auch diese liessen sie wissen, dass das Verteilen von Essen nicht gut geheissen wird. Sie werden dementsprechend ihre Arbeit erstmal auf Kelebija, das zweite inoffizielle Camp bei einem anderen Grenzuebergang hier in der Region, beschraenken.

Grundlegend muss man zur Situation vor Ort sagen, dass die Zustaende in den Camps wie ueblich sind: monatelang Brot und Thunfisch, welche teilweise nicht mehr geniessbar sind, wenig Wasser, keine hygienischen Strukturen ausser Eimern mit Wasser, Aerzte, die in Notfaellen, wie bspw. Kollabierende Streikende, mehr als eine Stunde brauchen um das Camp zu erreichen, obwohl sie von mehreren Personen informiert werden, Zustaendigkeitsprobleme, etc.

Solche Probleme haben wir entlang der gesamten Route von der Tuerkei immer wieder erlebt, dennoch denken wir das es notwendig ist diese Situation immer wieder zu schildern. Es finden auch immer wieder illegale Push-Backs von Ungarn aus statt. Die rechtliche Situation erlaubt es Menschen innerhalb eines 8 km Radius um die Grenze ohne grossartige Pruefung und Anhoerung zurueckzuschieben. Uns wird jedoch auch von Deportationen aus der Region um Budapest herum berichtet, welches sich ca. 180 km entfernt von der Grenze befindet. Es wird ausserdem von koerperlichen Uebergriffen von Polizei und Bevoelkerung berichtet, dem Einsatz von Hunden, sowie auch Pferden zur Absicherung der Grenze. Dies findet zusaetzlich zur Militaeroperation statt, welche die Grenze neuerdings mit 10 000 Soldaten, Helikoptern und Kameras ueberwachen.
Generell wir der Zugang nur zum Camp in Horgos von der Polizei restriktiv kontrolliert. Warum diese Selektion stattfindet ist nicht klar.

Wir arbeiten zur Zeit daran, Kontakte zur ungarischen Seite herzustellen, Informationen fuer die unterschiedlichen Herkunftslaender zu sammeln und sicherere Routen herauszufinden. Unsere Suche nach einem Haus bleibt weiterhin ein fixer Punkt auf der Tagesordnung, nachdem wir unseine Wohnung und drei Haeuser angesehen haben. Dies ist einerseits notwendig, damit wir uns bei der serbischen Polizei fuer eine WhiteCard registrieren lassen koennen. Aber andererseits auch unabdingbar um mehreren Menschen hier eine Basis zu bieten, von der aus wir beide Seiten der serbisch-ungarischen Grenze befahren und die Menschen in den Camps besuchen koennen.